Einordnung einer beschlossenen Entscheidung – mit persönlichem Fazit
Im Gespräch mit Dr. Ulrich Bäcker, Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie, sowie Claudia Huth und Peter Titzler habe ich mich mit der beschlossenen Schließung der Inneren Abteilung am Krankenhaus Oberstdorf auseinandergesetzt.
Unabhängig vom Ergebnis dieser Entscheidung wurde eines deutlich:
Die Gründe und Abwägungen, die zu diesem Beschluss geführt haben, sind bislang nicht ausreichend nachvollziehbar kommuniziert. Gerade bei einem so zentralen Thema wie der medizinischen Versorgung vor Ort ist Transparenz Pflicht – sonst fehlt das Vertrauen.
Für den Standort Oberstdorf hat die Schließung weitreichende Folgen. Die Innere Abteilung war über Jahre hinweg ein zentraler Bestandteil der regionalen Versorgung. Ihr Wegfall betrifft nicht nur internistische Leistungen, sondern hat auch konkrete Auswirkungen auf angrenzende Bereiche: Auch die orthopädische Versorgung hängt in der Praxis an internistischer Mitbetreuung – etwa bei Voruntersuchungen, Begleiterkrankungen, Komplikationen und der Nachsorge nach Operationen. Wenn die Innere wegfällt, muss diese medizinische Mitversorgung strukturell ersetzt werden – sonst entstehen Risiken und zusätzliche Belastungen an anderer Stelle.
Das betrifft nicht nur die Bevölkerung vor Ort, sondern auch unsere Gäste und die medizinische Versorgung der Menschen aus dem Kleinwalsertal.
Fakt ist: Die Entscheidung ist auf Ebene des Aufsichtsrats bereits getroffen worden. Politischer Einfluss auf kommunaler Ebene ist heute nur noch begrenzt. Den vorhandenen Gestaltungsspielraum hätte man früher nutzen müssen.
Persönliches Fazit:
Ich halte die Schließung der Inneren Abteilung für einen Verlust für Oberstdorf.
Für die medizinische Grund- und Notfallversorgung, für die Sicherheit unserer Gäste und auch im Hinblick auf die Verantwortung gegenüber unseren Nachbarregionen.
Gleichzeitig ist es unseriös, den Eindruck zu erwecken, man könne eine solche Entscheidung im Nachhinein einfach zurückdrehen. Ob und welcher Handlungsspielraum jetzt noch besteht, muss nüchtern geprüft werden. Das schulden wir den Beschäftigten, der Bevölkerung und allen, die auf eine verlässliche Versorgung angewiesen sind.
Was mich nachdenklich stimmt, ist weniger die Entscheidung an sich als der Weg dorthin. Bei einem Thema dieser Tragweite hätte ich mir frühzeitigere und sichtbarere Gespräche der kommunalen Spitze mit Vorstandschaft und Entscheidungsträgern gewünscht – mit dem klaren Auftrag, die Interessen der Bürgerschaft aktiv zu vertreten. Wenn heute in Aussicht gestellt wird, man werde sich bei einer Wiederwahl dafür einsetzen, ist das aus meiner Sicht ein falscher Zeitpunkt: Diese Gespräche und dieses Einfordern von Transparenz hätten deutlich früher stattfinden müssen – als noch Einfluss möglich war.

