Austausch mit dem DAV Sektion Oberstdorf – mit persönlichem Fazit
Im Gespräch mit der Geschäftsführerin des DAV Oberstdorf, sowie Teilen der Vorstandschaft habe ich einen Verein kennenlernen dürfen, der in besonderer Weise zeigt, wie Engagement, Verantwortung und Zukunftsorientierung im Ehrenamt zusammenkommen. Am Austausch beteiligt waren außerdem Christian Raps und Michael Thannheimer von den Freien Wählern.
Was mich dabei besonders beeindruckt hat, ist nicht nur der sportliche Bereich, sondern vor allem die Struktur und Haltung, mit der hier gearbeitet wird.
Jugendarbeit, die Zukunft schafft
Der DAV Oberstdorf leistet herausragende Arbeit im Bereich der Jugendarbeit. Die vorhandenen Räumlichkeiten sind bewusst offen und einladend gestaltet: Treffpunkte für Jugendliche vor dem Training, Arbeits- und Aufenthaltsbereiche, ein eigener Raum mit Kicker, Perspektiven für weitere Begegnungsangebote sowie die Bereitstellung von Material und Lernmöglichkeiten. Das schafft mehr als Trainingsbetrieb – es schafft Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Verantwortung.
Besonders überzeugend ist die vereinsinterne Struktur:
Eine teamorientierte Vorstandschaft, altersmäßig gut durchmischt und insgesamt vergleichsweise jung, sowie ein gewählter Jugendbeirat, in dem Kinder und Jugendliche früh an Mitbestimmung und demokratische Prozesse herangeführt werden. Dazu kommen gewachsene Strukturen zur Ausbildung von Jugendleiterinnen und Jugendleitern. Das ist keine Selbstverständlichkeit – das ist gelebte Nachwuchsarbeit auf hohem Niveau.
Engagement, das oft unsichtbar bleibt
Umso erstaunlicher ist, dass dieses Engagement bislang kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhält. Während häufig über Sportstätten und Infrastruktur gesprochen wird, bleibt der DAV als eigenständiger Träger von Jugendarbeit, Ehrenamt und alpiner Kompetenz oft im Hintergrund – obwohl er für Oberstdorf eine tragende Rolle spielt.
Hinzu kommt: Der DAV übernimmt Verantwortung, die weit über den eigenen Verein hinausgeht. Dazu gehört unter anderem die Pflege und Betreuung des alpinen Wegenetzes oberhalb von rund 1.200 Metern – eine Aufgabe, die für Sicherheit, Tourismus und Naturschutz gleichermaßen zentral ist.
Unsichere Perspektiven statt Planungssicherheit
Aktuell ist der DAV in einem gemeindeeigenen Gebäude untergebracht – allerdings mit jährlich befristeten Mietverträgen. Diese Unsicherheit erschwert langfristige Planung erheblich. Gleichzeitig nutzt der Verein derzeit die Kletterwand im Sportpark: Erwachsene Nutzer generieren Einnahmen für den Sportpark, Kinder und Jugendliche können kostenfrei klettern – ein Modell, das dem Gemeinwohl dient.
Wie es künftig weitergeht, ist offen. Der Sportpark wird perspektivisch wegfallen. Der DAV hat klar signalisiert, dass er bereit wäre, Räume zu übernehmen, weiterzuentwickeln und auch touristisch sinnvoll mitzunutzen – etwa durch ein Indoor-Angebot, das gerade im Winter eine große Bereicherung für Familien, Gäste und Einheimische wäre. In einer alpinen Region wie Oberstdorf ist ein solches Angebot kein Luxus, sondern fachlich und strukturell naheliegend.
Mein Fazit
Der DAV Oberstdorf übernimmt soziale Aufgaben, die weit über den klassischen Vereinsbetrieb hinausgehen: Jugendarbeit, Persönlichkeitsentwicklung, Ehrenamtsförderung, alpine Kompetenz, Sicherheitsarbeit und Verantwortung für Natur und Wegeinfrastruktur. Gleichzeitig bringt der Verein eine hohe kreative und organisatorische Kompetenz mit, um vorhandene Räume sinnvoll zu beleben – auch mit Blick auf eine mögliche touristische Mitnutzung.
Gerade weil dieses Engagement so viele Bereiche abdeckt, halte ich es für notwendig, nicht nur über Mietfragen zu sprechen, sondern grundsätzlich zu prüfen, welche Fördermöglichkeiten es für ein solches Modell gibt. Die Frage darf aus meiner Sicht nicht zuerst lauten, ob man das finanzieren kann – sondern ob man dieses Engagement überhaupt will.
Wenn diese Frage ehrlich mit Ja beantwortet wird, lassen sich auch hier gangbare Lösungen miteinander finden.
Der DAV zeigt bereits heute, wie stark er sich am Gemeinwohl orientiert: mit minimalen Mitteln, hohem persönlichem Einsatz und dem klaren Ziel, möglichst viel für Kinder, Jugendliche und die Gemeinschaft zu ermöglichen. Für mich ist das ein klares Ja zur Unterstützung dieses Engagements.
Die Alternative wäre, diese Strukturen sich selbst zu überlassen – mit der realen Konsequenz, dass Jugendarbeit wegbricht und Klettermöglichkeiten in Oberstdorf verschwinden würden. Das wäre nicht nur ein Verlust für den Verein, sondern für den gesamten Ort.

