Agenturen - zentrale Ansprechpartner für Gäste

Beim Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der örtlichen Ferienwohnungsagenturen wurde für mich sehr deutlich, wie groß der Gesprächsbedarf in diesem Bereich ist und wie stark sich viele Beteiligte seit Jahren nicht eingebunden fühlen.

Die anwesenden Agenturen beschrieben ihre Rolle als zentrale Ansprechpartner für Gäste – von der Buchung über An- und Abreise bis hin zur laufenden Betreuung vor Ort. Dabei verwalten sie Ferienwohnungen im Auftrag der jeweiligen Eigentümer, zu einem nicht unerheblichen Teil auch für Einheimische.

Im Gespräch wurde deutlich, dass es aus Sicht der Agenturen kaum strukturierte Austauschformate mit der Gemeinde oder mit Tourismus Oberstdorf gibt. Viele beschrieben, dass sie sich in Entscheidungsprozessen nicht einbezogen fühlen, obwohl sie durch ihre tägliche Arbeit einen unmittelbaren Einblick in Gästeströme, Rückmeldungen, Probleme und Erwartungen haben. Diese praktische Expertise werde aus ihrer Sicht bislang nur unzureichend genutzt.

In diesem Zusammenhang wurde auch die fehlende Einbindung bei zentralen Ereignissen angesprochen. Als Beispiel nannten die Agenturen die Eröffnung der neuen Therme, zu der Gastgeber eingeladen waren, Ferienwohnungsagenturen jedoch nicht – obwohl auch sie täglich Gäste betreuen und das Angebot aktiv vermitteln sollen. Auch in der Vergangenheit habe es aus Sicht der Beteiligten kaum Austausch oder Einladungen seitens der Gemeinde oder von Tourismus Oberstdorf gegeben. Dieses Vorgehen verstärke das Gefühl, nicht als Teil des touristischen Systems anerkannt zu sein.

Im Zusammenhang mit der öffentlichen Diskussion um bezahlbaren Wohnraum wurde angesprochen, dass Zweitwohnungsbesitzern häufig pauschal eine Mitverantwortung zugeschrieben werde. Im Gespräch wurde jedoch deutlich, dass die heutige Situation aus Sicht der Beteiligten vor allem das Ergebnis langfristiger ortspolitischer Entscheidungen sowie der stark gestiegenen Immobilienpreise der vergangenen Jahre ist. Die Agenturen betonten, dass sie selbst keine Eigentümerstruktur gestalten, sondern bestehende Verhältnisse verwalten.

Ein weiterer zentraler Punkt war die Erhöhung der Kurtaxe. Diese wurde unter anderem mit den hohen Kosten für den ÖPNV sowie mit der neuen Therme begründet. Kritisch angemerkt wurde dabei, dass die Kurtaxe auch für Kinder deutlich angehoben wurde, obwohl die Therme nach Rückmeldungen aus dem Gästekontakt nicht auf Kinder ausgerichtet ist. Familien werde vor Ort teilweise empfohlen, mit Kindern alternative Angebote wie das Wonnemar zu nutzen. Diese Diskrepanz zwischen Begründung der Kurtaxen-Erhöhung und tatsächlicher Nutzbarkeit des Angebots wurde von den Agenturen als schwer vermittelbar beschrieben – insbesondere gegenüber Familien.

Auch die Verkehrssituation wurde thematisiert. Beobachtet werde, dass Gäste aufgrund der Kosten für den Busverkehr ins Kleinwalsertal zunehmend auf das eigene Auto ausweichen. Dies verschärfe die bereits angespannte Verkehrs- und Parksituation im Ort weiter.

Kritisch gesehen wurde zudem die derzeitige Praxis der Qualitätsklassifizierung. Aus Sicht der Agenturen fehlt eine zeitgemäße, markenprägende Qualitätslogik für Oberstdorf. Die starke Fokussierung auf das DTV-Sternesystem führe dazu, dass nicht klassifizierte Betriebe von bestimmten touristischen Leistungen ausgeschlossen seien – unabhängig von tatsächlicher Qualität oder Gästebewertungen. Auch hier wurde der Wunsch nach mehr Transparenz und frühzeitiger Einbindung deutlich.

Persönliches Fazit

Aus meiner Sicht zeigte sich in diesem Gespräch dieselbe Symptomatik, die mir bereits in anderen Gesprächen begegnet ist: fehlende Struktur in der Kommunikation, mangelnde Transparenz bei Entscheidungen und eine unzureichende Einbindung der Perspektiven derjenigen, die durch ihre tägliche Arbeit über konkrete Expertise verfügen.

Die Agenturen formulierten keine unrealistischen Forderungen. Vielmehr wurde deutlich, dass es ihnen um Austausch auf Augenhöhe, klare Zuständigkeiten und nachvollziehbare Entscheidungsprozesse geht. Der Wunsch nach Wertschätzung bezog sich dabei weniger auf Einzelentscheidungen als auf die grundsätzliche Anerkennung ihrer Rolle innerhalb des touristischen Gefüges Oberstdorfs.

Mein Eindruck aus dem Treffen ist, dass allein das offene Gespräch als wichtiger erster Schritt wahrgenommen wurde. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es künftig verbindlichere und strukturierte Dialogformate braucht, um diese strukturelle Schieflage zu korrigieren und vorhandene Expertise besser in politische und touristische Entscheidungsprozesse einzubinden.

Die Agenturen fordern keine Sonderrolle, sondern einen Platz im Dialog – dort, wo ihre tägliche Erfahrung für bessere Entscheidungen genutzt werden kann.

en Verein, sondern für den gesamten Ort.