Einordnung eines intensiven Gesprächs – mit persönlichem Fazit

Gemeinsam mit Michael Thannheimer und Ludwig Fetz war ich im Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Oberstdorfer Hotellerie, um über die aktuelle Situation des Tourismusstandorts, bestehende Herausforderungen und Erwartungen an Politik und Verwaltung zu sprechen.


Dabei wurde für mich eines sehr deutlich:
Das Engagement in den Betrieben ist hoch – und es richtet sich nicht nur auf den eigenen wirtschaftlichen Erfolg. Viele der Beteiligten denken den Tourismus konsequent als Teil des Gemeinwohls und sind sich bewusst, dass der Erfolg jedes einzelnen Betriebs eng mit der Qualität und Stabilität der gesamten Destination Oberstdorf verbunden ist.
Ein zentrales Thema war dabei immer wieder die Frage der Qualität. Qualität im Angebot, in der Zielgruppenansprache, in der Produktgestaltung – aber auch in der Art, wie Entscheidungen vorbereitet, kommuniziert und umgesetzt werden. Qualität ist kein Imagefaktor, sondern eine wirtschaftliche Grundlage. Die oft diskutierte Frage des Overtourism wurde im Gespräch differenziert eingeordnet. Aus Sicht der Betriebe handelt es sich dabei nicht um ein dauerhaftes Phänomen, sondern um Belastungsspitzen an einzelnen Tagen oder in kurzen Zeiträumen. Die deutlich größere Herausforderung liegt aktuell in der Auslastung im Winter. Gerade hier geraten Hotels zunehmend unter Druck. Es fehlt an schlüssigen Gesamtpaketen, an einer besseren Verzahnung von Produkt, Kommunikation und Buchbarkeit sowie an einer klaren strategischen Linie für die Wintersaison. Fakt ist zugleich: Tourismus ist und bleibt das Kerngeschäft Oberstdorfs. Wer Verantwortung in diesem Bereich trägt, muss voll und ganz hinter dem Tourismus stehen – fachlich, strategisch und in der öffentlichen Vertretung. Gleichzeitig halte ich es für notwendig, die wirtschaftliche Basis des Ortes langfristig breiter aufzustellen. Zusätzliche wirtschaftliche Standbeine sind kein Widerspruch zum Tourismus, sondern ein Beitrag zu Stabilität und Resilienz des gesamten Standorts.

Persönliches Fazit

Mir ist in diesem Zusammenhang eine klare Rollenverteilung wichtig:
Der operative Tourismus liegt in der Verantwortung der dafür zuständigen Organisationen. Aufgabe der Kommune ist es nicht, in betriebliche Abläufe einzugreifen. Sehr wohl ist es aber Aufgabe der Bürgermeisterin, die Interessen der Bürgerinnen und Bürger gegenüber dem Tourismusbetrieb zu vertreten, Transparenz einzufordern, wo öffentliche Mittel und Infrastruktur betroffen sind, und darauf zu achten, dass vorhandene Expertise frühzeitig und
verbindlich in Entscheidungsprozesse einbezogen wird. Der Austausch hat mir gezeigt, wie viel Fachwissen, Verantwortungsbewusstsein und Gestaltungswille in der Oberstdorfer Hotellerie vorhanden sind. Dieses Potenzial sollte nicht punktuell, sondern strukturell genutzt werden. Für mich ist klar: Qualität braucht klare Ziele, saubere Zuständigkeiten und Führung, die Orientierung gibt – ohne operative Einmischung, aber mit verbindlichen Leitplanken. Overtourism ist kein pauschales Mengenproblem, sondern eine Frage kluger Steuerung. Die dringendere Aufgabe liegt aktuell in der Stärkung des Winterangebots und in einer besseren Abstimmung von Produktentwicklung, Kommunikation und Umsetzung. Tourismus ist das wirtschaftliche Rückgrat Oberstdorfs. Ihn konsequent weiterzuentwickeln und gleichzeitig die wirtschaftliche Basis des Ortes zu verbreitern, halte ich für eine zentrale Voraussetzung für eine stabile und zukunftsfähige Entwicklung.